vortrag im rahmen der ringvorlesung “hat die wissenschaft ein geschlecht? analysen und reflexionen zu geschlechterverhältnissen in der wissenschaft”
donnerstag, 5. juni 2014, 18.15-20.00 uhr.
habelschwerdter allee 45, raum J 32/102, U3 dahlem dorf

Die Politik von Benennungen und Argumentationen „neutraler“ Wissenschaft – eine trans_feministische Analyse und Kritik

Prof. Dr. Lann Hornscheidt
Skandinavistische Linguistik und Gender Studies, Humboldt-Universität zu Berlin
Sprachlich-diskursive Muster hegemonialer Wissenschaftsvorstellungen und die Effekte, die dies auf eine politisch positionierte Wissenschaft hat und haben kann, bilden das Kernthema der Vorlesung. Welche Effekte haben sprachliche kritische Veränderung für eine Anwesenheit und Wahrnehmbarkeit Diskriminierter in den Wissenschaften – und welche Argumente werden wieder und wieder dagegen angeführt?

Abstracts

Poster: Hat die Wissenschaft ein Geschlecht?

cover-sprachleitfaden-farbe die anregungen zum antidiskriminierenden sprachhandeln sind jetzt auch in gedruckter version vorhanden. das heft ist im sekretariat (georgenstr. 47, raum 1.08) dienstags und donnerstags erhältlich.

AG Feministisch Sprachhandeln: “Was tun? Sprachhandeln – aber wie? W_Ortungen statt Tatenlosigkeit. Anregungen zum antidiskriminierenden Sprachhandeln”. 2013.

in kürze erscheint ein sprachleitfaden der AG feministisch sprachhandeln der humboldt-universität zu berlin
unter dem titel

“Was tun? Sprachhandeln – aber wie? W_Ortungen statt Tatenlosigkeit. Anregungen zum
Nachschlagen
Schreiben_Sprechen_Gebärden
Argumentieren
Inspirieren
Ausprobieren
Nachdenken
Umsetzen
Lesen_Zuhören
antidiskriminierenden Sprachhandeln”

dazu gibt es hier einen blog, auf dem der fertige sprachleitfaden veröffentlicht wird: http://feministisch-sprachhandeln.org/

termine von oktober bis januar

31. oktober: universität osnabrück, 16-19 uhr (raum 15/130, ehem. Senatssitzungssaal im EW), vortrag “Wie kann ich gerechter sprechen? Ist eine diskriminierungsfreie Sprache möglich?”

11. november: universität frankfurt a.m., vortrag bei der queeren ringvorlesung “wie nervig ist das denn und können wir nicht lieber mal was richtiges machen? zum sinn und unsinn von diskussionen zu sprache, sprachlichen veränderungen und diskriminierung.”

23. november: universität hildesheim, workshop zu antidiskriminierenden lebensentwürfen

22. januar 2014: universität oldenburg, vortrag “über sprachpolitiken, political correctness und neue sprachinterventionen”

19. september: universität zürich. vortrag: feminstische sprachveränderungen – bringt das überhaupt was? flyer zur veranstaltung, abstracts der vorträge

Feministische Sprachveränderungen – bringt das überhaupt was?
Spielt Sprache überhaupt eine Rolle? Gibt es nichts Wichtigeres? Und obwohl es mittlerweile so viele Sprachveränderungen gibt, sieht die Welt doch trotzdem nicht anders aus, oder? Die Präsentation wird ausgehend von solchen und ähnlichen Fragen Thesen zum Zusammenhang von Sprache und politischen Handlungen diskutieren. Dabei werden Zielsetzungen von Sprachveränderungen und Veränderungsvorschlägen ebenso eine Rolle spielen wie Vorstellungen dazu, was Sprache, Welt, Subjekt und Diskriminierung ist.

termine

(ausführliche informationen siehe unten)

7. juni: antifee-festival in göttingen. workshop “wie kann ich trans_x_end schreiben?” (nur für t*lf)

17. juni: frankfurt/main (heinrich böll stiftung). vortrag und podiumsdiskussion zu umgang mit sprache und rassismus in deutschland

18. und 19. juni: universität innsbruck (studiengang gender und migration). seminar sprache und diskriminierung

30. august: södertörns universitet (stockholm). workshop sprak och diskriminering; zusammen mit mats landqvist

16. august: universitet agder (norwegen). opposition dissertation helle ingeborg mellingen.

19. september: universität zürich. vortrag zu sprache und sexismus: neue tendenzen und ideen (arbeitstitel)

8. oktober: stockholms universitet, tyska institutionen. vortrag: kann sprache neutral sein?

10. oktober: södertörns universitet (stockholm). keynote auf der konferenz “language and gender”: trans_x_ing linguistic politics and policies

28. oktober: vortrag in osnabrück (genaue information folgt)

11. november: vortrag bei der queeren ringvorlesung frankfurt a. m.

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7. juni: antifee-festival in göttingen. workshop “wie kann ich trans_x_end schreiben?” (nur für t*lf)

trans_x_end schreiben: wie kann ich schreiben und dabei anwesend sein?
wie kann ich sprachliche ausdrucksformen verändern, herausfordern, neu fassen?
was bedeutet eine auseinandersetzung mit unterschiedlichen aspekten von sexismus/genderismus dafür wie ich mich ausdrücken kann, wie ich kommunizieren will? im workshop werden verschiedene anregungen gegeben und es gibt raum neue und ungewohnte sprachformen auszuprobieren.

17. juni: frankfurt/main (heinrich böll stiftung). vortrag und podiumsdiskussion zu umgang mit sprache und rassismus in deutschland

Wie inklusiv kann Sprache sein?
Diskussion zur aktuellen Rassismus- und Sexismusdebatte

Datum: 17. Juni  2013
Ort: Haus am Dom, Domplatz 1, Frankfurt am Main

In den immer wieder aufkommenden Debatten zu Rassimus und Sexismus im letzten Jahr hat Sprache eine wichtige Rolle gespielt. Zuletzt auf dem Kongress der Tageszeitung taz Ende April in Berlin bei der Veranstaltung  „Meine Damen und Herren, liebe N-Wörter und Innen“, bei der es zu einem Eklat kam, der viele Reaktionen nach sich gezogen hat.
Zwischen den Polen „Verletzung durch rassistische Sprache“ und „Zensur durch politische Korrektheit“ scheint eine Diskussion schwierig. Dimensionen von Kontext und von Bedeutungswandel von Sprache drohen in den Hintergrund zu geraten.
Die aktuellen Auseinandersetzungen um das N-Wort haben erneut Fragen wieder virulent werden lassen, die wir auch aus Diskussionen um Sexismus kennen:
Welche Bedeutung hat Sprache? Wie hängen Sprache und Normierungen zusammen?
Welcher Zusammenhang besteht zwischen gesellschaftlichen und sprachlichen Veränderungen? Was kann Sprache überhaupt leisten? Wie inklusiv kann Sprache sein? Welche Rolle kommt Sprache beim Abbau von Diskriminierungen zu?
Diese Fragen sollen aus unterschiedlichen Perspektiven thematisiert werden.

Einführungsvortrag
Lann Horscheidt,  Professx für Gender Studies und Sprachanalyse am Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien, HU Berlin

Diskussion mit:
Lann Hornscheidt
Philippp Khabo Koepsell, Spoken Word Performer, Mitglied der Rap/Poetry Formationen New Night Babies und Blaque ReinneCarnation sowie der Hip Hop Gruppe Dead Horse Running
Marc Fabian Erdl , Germanist (Dissertation: „Die Legende von der politischen Korrektheit“), Lehrer am Berufskolleg Köln

Moderation:
Sheila Mysorekar, Journalistin, Vorsitzende Neue Deutsche Medienmacher, Köln

10. oktober: södertörns universitet (stockholm). keynote auf der konferenz “language und gender”: trans_x_ing linguistic politics and policies

trans_x_ing linguistic politics and policies: dimensions of linguistic actions against interdependent discriminations. Although there has been feminist and anti-racist linguistic theories, research and interventions for more than 50 years in western european and u.s.american contexts, sexist/genderist and racist linguistic discrimination is still prevalent in these contexts. Does this mean that language does not play a role? or that sexism_racism is so manifest that it just is changing all the time? In how far has feminist and antiracist linguistics been discriminating itself by ignoring white western dementioned normalizations and by a re_production of binary genderings and cisgendernorms as one and only possible imagination? My lecture discusses different lingustic dimensions of interdependent genderist/sexist discriminations and different possible, irritating and unconventional forms of interventions. I will present a constructivist model for anti-genderist interpendent linguistic analysis and politics which even challenges academic forms of linguistic knowledge production.

enttäuschen meint doch eigentlich ‚nicht mehr getäuscht sein‘, ‚nicht mehr täuschen‘. täuschen ist doch eigentlich nicht schön, lenkt ab, lässt mich nicht wahrnehmen, wie dix andere ist, eine konkrete situation, legt stattdessen geschichten darüber. geschichten, die von meinen erwartungen genährt sind. ich erwarte was. ich warte. ich bin nicht im jetzt. sondern in einer imaginären zukunft. und warte das was geschieht. so wie ich es mir vorstellen. das ist dann selten so. dann bin ich enttäuscht. enttäuschen im sinne von nicht mehr getäuscht sein ist aber doch eigentlich gut, oder? wie kann es also sein, dass die ‚normale‘ bedeutung von enttäuscht sein so negativ ist in dieser gesellschaft?
enttäuscht sein ist doch so verstanden eigentlich ganz schön gut. wenn ich ent-täuscht bin, dann mache ich mir nichts vor, mir nicht und anderen nicht. dann habe ich keine täuschungsbrille auf, durch die ich mich und andere sehe und dann eben immer anders und verzerrt und nicht ganz passend wahrnehme. dann habe ich keine zukunftsgerichteten er-wartungen, sondern nehme wahr, was gerade und jetzt ist, ohne so eine brille. bin offen für das was ist. wenn ich wahrnehme was gerade und jetzt ist, dann kann ich vielleicht nicht so leicht ent-täuscht sein, dann bleibe ich einfach in der beobachtung dessen, was gerade ist. enttäuschung braucht vorstellung braucht abstand.
enttäuscht sein ist konventionalisiert was negatives: es ist nicht schön enttäuscht zu sein, es ist eine verletzung, von der ich glaube, dass eine andere person sie mir zufügt. enttäuscht sein ist also auch meistens auf eine andere person gerichtet, die irgendwie dafür zuständig oder verantwortlich ist. enttäuscht sein ist ein misslingen von kommunikation, ist ein nicht erfüllen meiner erwartungen. dann bin ich enttäuscht.
wenn ich das wort auseinandernehme, wenn ich ent-täuschung als ‚nicht mehr getäuscht sein‘ lese, dann ist ent-täuschung aber ja eigentlich was tolles. eine erleichterung, eine aufgabe von zurichtenden bildern, aufgabe von projektionen, ein wahrnehmen davon, wie es ist, einfach so, keine projektionen auf andere gelegt.
dass ‚enttäuscht sein‘ in dieser gesellschaft was negatives ist, ganz klar negativ, ein schreckliches gefühl, sagt ja vielleicht auch was darüber aus, was in dieser gesellschaft so normalisiert ist an vorstellungen dazu, wie kontakte von menschen mit- und untereinander sind: sich etwas vorzumachen, erwartungen und bilder sich gegenseitig überzuhelfen, sich nicht einfach wahrnehmen, loslassen, stehenlassen, sondern die andere person bestimmen und zurichten zu wollen entsprechend meinen bildern, die vielleicht häufig auf meinen mehr oder weniger reflektierten und mir bewusst gemachten bedürfnissen beruhen – die andere erfüllen sollen, nicht ich selbst. wenn ich sie einfach wahrnehme, die anderen, wenn ich sie loslassen kann, wenn ich mich nicht von ihr und ihren handlungen abhängig mache, dann kann ich auch nicht ent-täuscht sein. ent-täuscht sein ist so verstanden also eigentlich eine chance auf begegnungen, begegnung von menschen miteinander und nicht länger mit meinen bildern und vorstellungen, die doch nie stimmen oder eben nur für mich stimmen aber nicht wirklich die andere person meinen. nur mein bild von dieser.
mich ent-täuschen ist also vielleicht mehr bei mir ankommen und mehr und mehr die bilder von anderen loslassen – und so dann irgendwann und irgendwie auch anderen begegnen und nicht länger mehr ihrer passgenauigkeit oder –ungenauigkeit in meine bilder.
ent-täuschen wird so zu einem wunsch, zu einer fähigkeit, im jetzt zu sein, bei mir zu sein, meine bilder und projektionen zu mir zurück zu holen, nicht mehr auf andere zu legen. die bilder wegzunehmen und die anderen personen dann dadurch als andere personen wahrnehmen zu können und nicht länger als meine bedürfnisbefriedigungen, die dann immer nur eine zeitlang und ein stückweit funktionieren – und mich dann wieder (konventionalisiert) enttäuscht zurücklassen. enttäuscht sein ist also das, was ich mir selber sein könnte und will, stattdessen nach außen zu verlagern, andere dafür verantwortlich zu machen, anderen die schuld zu geben an meinem mich schlecht fühlen. mich zu ent-täuschen in meinem neu überlegten sinne wäre also ein mehr zu mir kommen und dadurch dann irgendwann auch mehr anderen zu begegnen, als andere.
ent-täuschen, wow, was für ein weg. von der so starken konventionellen einlesung als was negatives hin zu einem anwesenden positiven klaren selbstgefühl.