versicherung teil ii: sterbeversicherung

und dann noch:
die personen, die keine versicherungen finden, die individuell zugeschnitten stimmen, die sich dann am ende für die langsame-und-kaum-merkliche-partielle-sterbeversicherung entscheiden
partielle sterbeversicherung, die die möglichkeit zum sterben im leben versichert
zum beispiel:
ich kenne personen, die zucken vor schmerz zusammen bei zweigendernden wortformen, denen androgendernde maskulina wehtun, zuschreibungen von weiblichkeit gewalt antun, die verzweifeln an den zurichtungen von sprachhandlungen, die personen pseudo-ansprechen ohne x zunächst zuzuhören, zu x hinzuhören, ohne x zu meinen, die lange ein schales gefühl als normal xlebt haben für sich, ein schales gefühl leicht neben sich zu stehen, wenn x angesprochen wurde ohne angesprochen zu sein, sein zu können mit diesen sprachformen;
die sich fühlen ihr leben lang wie im theater, auf einer bühne,
von sich selbst distanziert
wie in einer blase,
wie im nebel
wie schal, am sonntagnachmittag
lieber schaue ich einem ich auf einer bühne zu, permanent, als

ich kenne personen, die mal verzweifelt sind an sprachhandlungen, mit denen x sich nicht angesprochen, aber zugerichtet fühlen, die sich nicht einlesen können in romane, werbetexte, medienberichte, gesetze, kinofilme, paarnormative besitz-eiftersuchts-liebesbriefe, in packungsbeilagen, kochbücher, kinderbücher, schulbücher, geschichtsbücher, internetseiten, feministische magazine, comics, theateraufführungen, performances, märchen, konzerte, volkshochschulprogramme, vereinssatzungen, preisausschreiben, calls for papers
immer noch nicht, immer wieder nicht, nach so langer zeit, und immer noch verzweifelt danach suchen,
die sich nicht wiederfinden
in binären entweder oders
in sozialen gendernormen
umkleiden toiletten pässen
religiösen texten philosophischen texten politischen texten
texten
sprache
benennungsformen
anredeformen
räume
kontaktkonventionen
und sozial vorgegebenen kontaktformen
und die den schmerz und das suchen, das wortlose immer einsamersein-ohne-dass-andere-es-merken runterschlucken, schon lange, um nicht noch länger verlacht und ausgegrenzt zu werden, die sich einrichten in sozialen möglichkeiten wie zweigenderung, wie frauen und männer, auch wenn x sich so selbstgewalt antut, kontinuierlich, massiv, grundlegend. lieber mir diese formen von selbstgewalt antun als

ich finde mich nicht wieder in sozialen rollen die klar trennbar sein sollen in beziehungen und freundxschaften, die sich immer wieder auf eine herkunftsfamilie beziehen, zwanghaft, auch wenn ich mich so verleugne
ich finde mich nicht wieder in ritualisierten verselbstständigten und undiskutierbaren und als klar und gut und eindeutig hergestellten verhaltensweisen wie sex- und kommunikationspraktiken, ohne dass ich dort ankomme, ohne dass ich dort zweifeln und hadern kann mich dort fragen kann ausdrücken kann ausprobieren kann, dort verorten kann,
ich habe zwar aufgehört zu lachen, wenn andere genderistisch_rassistisch etwas sagen, was alle anderen lustig finden, habe deswegen aber auch aufgehört nach dem sport noch zusammen weg zu gehen mit den anderen, oder ganz aufgehört mit dem sport, der arbeit, der lesegruppe, der therapie, der fortbildung, sogar der polit-gruppe nachdem es dort so klar war trans_x-diskriminierende äußerungen machen zu können,
alle lachen, haha,
alle stimmen zu, jaja,
alle beschwichtigen, ist doch nicht so gemeint nicht so schlimm nicht so ernst nicht wirklich nicht wichtig – du, nicht da
alle schweigen, —-
lieber gehe ich nicht zum plenum zur politgruppe zur therapie als

ich kenne personen –
die sich nicht ausziehen wollen argumentativ und körperlich in allen diesen situationen und kontexten,
die aufgehört haben in schwimmbäder zu gehen, in seminare, zu lesungen, ins kino, in politgruppen
aufgehört haben auf der arbeit was zu sagen, im supermarkt, auf der behörde,
die gar nicht mehr nachdenken müssen über die grenze zwischen beziehungen und freundxschaften, sondern sich sowieso immer mehr vereinsamen, sich soziale nahbeziehungen sowieso immer mehr wegerklären
die aufgehört haben
mit irgendwas
von leben
lieber überleben als

besser mich eines bewussten sterbens im leben versichern
als immer atemnot haben
worttod
als immer daran zu leiden nicht anwesend zu sein
nicht gehört zu sein
nicht sprechen zu können

lieber
vielleicht bewusst
und sicher
partiell
sterben

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